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Herzlich Willkommen!

Liebe Eltern, Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen, Großeltern und alle anderen, die sich mit Erziehung auseinander setzen und sich die/der Frage stellen, was Erziehung eigentlich ist!

Was findet Ihr hier?

Auf dieser Seite findet Ihr eine große Fülle an Informationen und Angeboten, die auf der Theorie der Erziehung nach Prof.Dr. Werner Lauff von der Universität Hamburg aufbauen. Diese setzt sich mit der ganz grundsätzlichen Frage auseinander, was Erziehung in ihren universalen Grundprinzipien ist.

Was gibt es hier „Neues“ zu lernen?

Für die erzieherische Praxis ist diese Theorie Dank ihrer großen Klarheit sehr wertvoll. Sie beantwortet Fragen wie „Wer ist an Erziehung beteiligt?“, „Wer kann erziehen?“, „Wann erzieht man?“, „Kann man überhaupt nicht erziehen?“, „Wann endet Erziehung?“, „Was tut man genau, wenn man erzieht?“…

Hier möchten wir zum einen die theoretischen Inhalte kurz darstellen. Zum anderen bieten wir Euch eine Auswahl an wissenschaftlichen Arbeiten an, die auf der Theorie der Erziehung basieren, sich allerdings mit sehr unterschiedlichen pädagogischen Problematiken (Geburt, Bildung, außerschulische Arbeit, schulische Erziehung etc.,) beschäftigen.

Unsere Seminarangebote

Darüber hinaus bieten wir Euch Seminare an, in denen wir Euch in der Auseinandersetzung mit der Theorie hin zu einem fundierten Verständnis von Erziehung begleiten möchten. Die Seminare sind jeweils auf die praktische Erziehungsebene der Teilnehmer und die daraus resultierenden Schwerpunkte der Verständnisbedürfnisse abgestimmt. Eltern haben andere Fragen und Blickwinkel als professionelle Pädagogen, werdende Eltern andere als Eltern von Klein- oder Schulkindern. Wir betrachten Hebammen als besonders wichtige Pädagoginnen (gleich nach den Eltern!) und haben daher auch für diese ein eigenes Konzept erarbeitet.

Zukunftsprojekte

Zur Zeit sind wir dabei, ein Konzept zu entwickeln, das vor allem in Kitas die Zusammenarbeit von ErzieherInnen und Eltern unterstützen soll. Es geht darum, die elterliche Erziehung zu veranschaulichen, die Stellvertretung dieser elterlichen Erziehung durch die ErzieherInnen zu festigen und den Eltern eine beratende Rückenstärkung zu verschaffen. Das Ziel ist, dass die unterschiedlichen pädagogischen Perspektiven vermittelt und in ihrer Notwendigkeit verdeutlicht werden, um Wertschätzung zu schaffen. Zudem kann eine gemeinsame, fundierte Lösung für schwerwiegende Fälle gefunden werden, die die meist organisatorisch-symptomatische Lösung in der Einrichtung durch die Verständigung mit den Eltern stärkt.

Ebenso ist ein Konzept in Arbeit, das die Vermittlung von erzieherischem Wissen an Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt stellt.

Ebenso erarbeiten wir ein Programm zur Erziehungs- und Geburtsvorbereitung, das in Zusammenarbeit mit Hebammen verwirklicht werden soll.

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Für Eltern, werdende Eltern, Erzieher, Lehrer, Hebammen und alle anderen.

Die Alten ziehen ihre Jungen. Dies ist die kurze Variante unserer Antwort auf die Frage, was Erziehung denn eigentlich genau ist.

In drei aufeinander folgenden Wochen wollen wir darstellen, wie auf einer theoretischen Grundlage Klarheit über Erziehung gewonnen werden kann. Wir setzen uns mit den grundlegenden Prinzipien und Fragen auseinander:

Wer erzieht? Was tut man im Allgemeinen, wenn man erzieht? Welche Voraussetzungen und Bedingungen hat Erziehung?

Vieles davon ist bekannt, einiges wird schon immer gewusst. Wir behaupten aber, dass häufig der Zusammenhang nicht klar ist und haben erlebt, dass das Erkennen desselben für Aha-Effekte, Erleichterung und Bestätigung sorgt!

Für alle im Seminar aufkommenden praktischen Fragen und individuellen Bedürfnisse stehen wir gern zur Verfügung – auch außerhalb des Seminarrahmens in Beratungsgesprächen.

Termine:

3 Abende in aufeinander folgenden Wochen, jeweils von 20-22 Uhr. Zur Zeit gibt es keinen festen Termin für eine solche Seminarreihe. Wir freuen uns aber darüber, wenn Ihr Euch bei Interesse dennoch meldet, denn wir sind gern bereit, Termine zu finden.

Ort der Veranstaltung:

Der Verein Zeitleben e.V. in der Eimsbütteler Chaussee 22.

Kosten und Anmeldung:

50 Euro pro Person. Anmeldung per Email an theoriedererziehung@googlemail.com .

Eine Veranstaltung für werdende Eltern, die sich auf eine „etwas andere Art“ mit Erziehung auseinandersetzen wollen.

Wir laden ein zu unserem Erziehungsvorbereitungskurs, der in Zusammenarbeit mit dem Universitätsprojekt „Elternuniversität Hamburg“( Projektleitung: Prof. Dr. Werner Lauff) entstanden ist. Ansprechen wollen wir alle werdenden Eltern: solche, die bereits schwanger sind aber auch diejenigen, die gern Kinder haben wollen und bei denen es vielleicht noch nicht geklappt hat.

„Die Eltern sind der Anfang vom Anfang, und am Anfang sind alle Dinge klein.“ (Zitat Prof. Werner Lauff)

Mit unserer Veranstaltung möchten wir einen wichtigen Beitrag zum Thema ERZIEHUNG leisten, um Euch, liebe Eltern, im Prozess des Elternwerdens und Elternseins frühzeitig zu unterstützen.

Erziehung beginnt nicht erst, wenn das Kind geboren ist, sondern schon viel früher in unseren Gedanken, unseren Gefühlen und unserem Tun!

Erziehung ist gesund!

Erziehung ist das Fundament zur Lebensfreude und somit sollte das Elternsein als Freude am Leben gesehen werden. In uns allen steckt bereits das Vermögen, gute und glückliche Eltern sein zu können.

Jeder Erwachsene wurde erzogen und nun steht Ihr am Anfang der Erziehung Eurer eigenen Kinder.

Wir möchten mit Euch die Themen: „Erziehung als Erlebnis“ und „Erziehung als Aufgabe“ genauer betrachten. Dabei geht  es um das Erkennen und das Stärken des eigenen Erziehungsvermögens.

„Glückliche Kinder kann es nur mit glücklichen Eltern geben.“

(Zitat: W. Lauff)

Das Seminar geht über zwei Tage an einem Wochenende jeweils von 10 – 15 Uhr in den Räumlichkeiten des Vereins Zeitleben e.V. in der Eimsbütteler Chaussee 22 statt. Bei Interesse schreibt uns bitte, damit wir einen neuen Termin finden können.

Die Kosten belaufen sich auf 50 Euro pro Person. Anmelden könnt Ihr Euch hier.

Hier findet Ihr die Zusammenfassungen der Inhalte des  Seminars „Erziehung verstehen – Eltern verstehen“ vom Oktober/November 2009

Inhalte der Theorie der Erziehung

 

Der Zusammenhang von Theorie und Praxis

Praxis

In unserem Seminar wird strikt unterschieden zwischen der theoretischen und praktischen Ebene der Erziehung. Wir sind als Eltern mitten in der Praxis, handeln, wir erziehen. Würden wir das, was wir tun, in unseren Fällen beobachten, fiele uns auf, wie unterschiedlich das aussehen kann. Und zwar nicht nur von Familie zu Familie sondern auch innerhalb der Familien zu unterschiedlichen Zeiten. Die Praxis umfasst alles, was veränderlich ist. Es wird deshalb gern von einem Praxisfluss gesprochen.

„Ach, und in demselben Flusse schwimmst Du nicht zum zweiten Mal.“ (Goethe)

 Theorie

Was wir tun, kann in theoretische Prinzipien und Begriffe eingeordnet und in einen Zusammenhang, nämlich den der Erziehung gebracht werden. In der Theorie soll dem wissenschaftlichen Anspruch nach all das enthalten sein, was in der Praxis in allen Fällen immer gleich und unveränderlich ist. Egal wo und egal wann. Man spricht oft von einem Gedankengebäude, das zur Orientierung im Fluss dient. Es geht im Seminar also um das Denken, das die Grundlage für das Entscheiden und Handeln darstellt.

„Fest gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt.“ (Schiller)

Überprüfung der Theorie

Der Anspruch, dass die Theorie nur die Prinzipien beinhaltet, die in der Praxis immer gleich bleiben, bedeutet, dass Theorie in der Praxis immer wieder überprüft werden muss. Und zwar nicht anhand der Frage, ob die Theorie praktisch anwendbar ist, sondern ob ihre Inhalte in der Praxis auffindbar sind. Die Überprüfung der Theorie kann jeder Mensch übernehmen und muss diese auch vornehmen. Meist beurteilen wir die Theorie auf eine solche persönliche Überprüfung hin. Sollten Dinge nicht stimmig erscheinen, möchten wir diese gern im Seminar mit ins Gespräch einbeziehen, da so das Verständnis des Zusammenhangs von Theorie und Praxis vertieft wird und vermeintliche sowie tatsächliche Fehler auf der theoretischen Ebene erkannt werden können.

Warum ist Theorie wichtig?

Theorie ist immer dann zu betrachten nötig, wenn die Praxis nicht mehr problemlos von selbst läuft, wenn intuitives Handeln und Entscheiden schwierig wird. Wir merken dies an unserer Unsicherheit, wenn wir unter Druck geraten oder mit völlig neuen Situationen konfrontiert sind. Wenn Dinge unerwartet nicht so funktionieren wie wir dachten, haben viele Menschen den gesunden Impuls, sich Hilfe zu suchen. Bei dieser Suche kann uns theoretisches Wissen von großem Nutzen sein. Denn wenn wir einen Zusammenhang erkennen, können wir entscheiden, an welchem Punkt wir ansetzen müssen, Veränderungen zu schaffen und Wirkungen zu erzielen.

Technik als Theorie in der Anwendung

Oftmals wird danach gefragt, wie Theorie umgesetzt oder angewendet wird. Dann geht es im Grunde um Fragen nach der Technik. Technik ist eine eigene Form der Wissenschaft, die auf Anwendung in der Praxis angelegt ist. In der aktuellen Erziehungswissenschaft und darauf aufbauenden Elternbildung werden bestimmte Modelle von Technik vermittelt wie zum Beispiel die beim Elternkurs „Starke Eltern, starke Kinder“  betonte Kommunikation oder Prinzipien wie der autoritäre Umgang mit Kindern und das Laissez-faire in den so genannten Erziehungsstilen. Um diese Techniken einsetzen zu können, wo sie wirklich angebracht sind, müssen wir entscheiden können, wo die Probleme liegen. Hierfür ist die Theorie der Erziehung nützlich. Sie eröffnet den erzieherischen Blick, mit welchem sich praktische Probleme einordnen lassen.

Der Begriff

Um eine klare Theorie zu erhalten, braucht es einen eindeutigen und klaren Begriff vom Gegenstand der Theorie. Wir brauchen einen eindeutigen Begriff von Erziehung, von dem aus die Theorie ausgeht. Damit ist gemeint, so genau wie möglich zu erfassen, was der Kern einer Sache ist. Zu einem Begriff gelangt man auf unterschiedlichen Wegen. Hier sollen vor allem die Betrachtung (als Beispiel für alle unsere relevanten Sinneswahrnehmungen) und die Sprache erwähnt sein. Bei Kindern lässt sich die Begriffsbildung durch die Betrachtung und die anderen sinnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen besonders gut beobachten. Kinder schauen, fühlen, schmecken und riechen genau an Gegenständen, um Begriffe vom Teddy, Hund, warm, kalt, weich, schmerzhaft, befriedigend und schließlich auch von Handlungen wie beispielsweise dem Essen, Trösten etc. zu erhalten.

Der Begriff von Erziehung, den Herr Lauff seiner Theorie zugrunde legt, ist:

„Die Alten ziehen ihre Jungen“.

Diese Formulierung ist der Versuch, möglichst nah an den entscheidenden Kern des Zusammenhangs von Erziehung zu kommen. Er eröffnet bereits verschiedene Zusammenhangsebenen wie Beziehung (unterschiedliche Personen), Verhältnis (alt und jung) und Handlung bzw. Tätigkeit (ziehen). Diese werden im Verlauf des Seminars erläutert und erörtert.

 

Die Voraussetzungen der Erziehung

Siegfried Bernfeld formuliert in seinem Buch „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“, dass Erziehung unter zwei Voraussetzungen notwendig wird. Zum einen nennt er die Unreife der Kinder, die sich entwickeln müssen bis sie erwachsen und allein lebensfähig sind. Zum anderen erfordere laut Bernfeld das Leben in der sozialen Gemeinschaft, der Gesellschaft, die Unterstützung dieser Entwicklung der Kinder durch die Erwachsenen.

Kinder als Voraussetzung

Tatsächlich sind Kinder nach der Geburt abhängig davon, dass Ältere, im ursprünglichen Fall Erwachsene, sich ihrer annehmen, sie ernähren, pflegen, anleiten, lieben (und vieles mehr), nämlich erziehen. In der Theorie der Erziehung sind diese Erwachsenen in erster Linie Mutter und Vater. Kinder bringen zwar ihre eigene Wachstumskraft mit auf die Welt, ohne die auch die beste Fürsorge keine Wirkung zeigen könnte. Diese muss allerdings in einer bestimmten Art und Weise versorgt werden, damit sie sich entwickeln kann und tatsächlich zum (Er-) Wachsen der Kinder führt (An dieser Stelle ist schon ein Ziel von Erziehung, nämlich das Erwachsensein genannt.). Diese Versorgung stellt die Erziehung dar. Sie ist notwendig, weil Kinder als Vertreter der jungen Generation vorhanden sind.

Die Generationenfolge von Alt und Jung als Voraussetzung

Damit Kinder entstehen und Erziehung notwendig wird, bedarf es einer weiteren erfüllten Voraussetzung. Diese ist mit der Tatsache gegeben, dass es Alte (Erwachsene) und Junge (Kinder) gibt. Die Alten müssen immer schon erzogen und erwachsen, in die Gesellschaft gebracht worden sein. Sie müssen ihre individuelle Entwicklung bis zu einem gewissen Grad abgeschlossen haben, damit sie die Erziehung der Kinder übernehmen können.

Mann und Frau als Voraussetzung

Bei der genaueren Betrachtung der Alten, Erwachsenen, wird erkennbar, dass Mann und Frau zusammen kommen müssen, damit Kinder entstehen. Die Fortpflanzungsmöglichkeit schafft somit ebenfalls voraussetzend die Notwendigkeit von Erziehung. Dabei ist der Unterschied von Mann und Frau entscheidend. Hier wird in der Theorie der Erziehung nicht emanzipatorisch oder Gender-theoretisch gedacht. Gleichberechtigung bedeutet hier vor allem Gleichwertigkeit der Eltern mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und nicht Gleichartigkeit.

Die Vater-Mutter-Kind-Einheit

Die Qualität von Frau und Mann verändert sich, sobald ein Kind unterwegs ist. Die Begriffe Mutter und Vater beinhalten nämlich jeweils die anderen beiden Personen im Erziehungsdreieck (Vater oder Mutter UND das Kind). Zur Paarbeziehung kommt die Elternbeziehung hinzu. Als mathematische Formel kann man dies so formulieren:

1 + 1 = 3

Das Dreieck aus Vater, Mutter und Kind besteht für jeden Menschen ein Leben lang und kann nicht aufgelöst werden.

Theoretisch leiten sich aus diesem Dreieck die spezifischen Bedingungen der Erziehung ab. Das jeweilige Kind steht an letzter Stelle einer langen Reihe von Erziehungsdreiecken, die die Entwicklung der Menschheit darstellt. Die Bedingungen, unter welchen diese Dreiecke bestanden haben, haben zur Entstehung des aktuellen Kindes geführt. Das kann auf der praktischen Ebene bestimmte Konsequenzen haben und Informationen zu diesem speziellen Kind liefern. Auch die praktische Auflösung des Dreiecks von Mutter, Vater und Kind (durch welche Umstände auch immer), kann bestimmte Konsequenzen haben. Theoretisch betrachtet ist sie in jedem Fall bedeutsam für die Erziehungstätigkeit.

Mögliche Konsequenzen bei der praktischen Auflösung des Erziehungsdreiecks

Alleinerziehung, Patchworkfamilie, Adoption

Auf der praktischen Ebene kann es vorkommen, dass ein Elternteil stirbt oder sich ein Paar trennt. Auf der praktischen Ebene kann dies bewertet und beurteilt werden. Die Gründe für solche Trennungen sind zahlreich und aus einigen Perspektiven als sinnvoll oder unsinnig zu betrachten. Für die Theorie der Erziehung allerdings gilt, dass zunächst ein Fokus darauf gerichtet werden muss, dass in einem Erziehungsdreieck zum einen ganz bestimmte Beziehungen bestehen, die Ausgangspunkt für alles folgende Geschehen sind. Zum anderen beinhaltet es, dass Mutter und Vater gleichermaßen mit dem Kind verbunden sind. Da diese in der Erziehung unterschiedliche Aufgaben haben, ergibt sich aus erzieherischer Sicht die Frage danach, ob diese im Falle einer Trennung noch  erledigt werden und wer was tun kann, um Vater- oder Mutteraufgaben zu übernehmen und somit stellvertretend zu erziehen.

Mutterleib als erster Erziehungsraum

Betrachtet man den Bauch einer Mutter als ersten Erziehungsraum, werden hier ein paar Prinzipien beispielhaft besonders deutlich. Der Unterschied von alt und jung ist gegeben. Die Zusammenkunft von Mann und Frau hat stattgefunden. Das Kind wächst von allein, bedarf aber der Mutter, die bestimmte Aufgaben übernimmt, beispielsweise die Ernährung. Der Vater übernimmt andere Aufgaben, die durch die Mutter auf das Kind wirken können (Das klassische Beispiel: Den schweren Einkauf schleppen!). Die Beziehung von Mutter und Vater zum Kind kann kein anderer führen. Hier gilt auch wieder: Die Beziehung des Vaters zum Kind wird durch die Mutter vermittelt. Stellvertretende Erziehung im Falle des Vaters ist möglich. Betrachtet man das Tragen des schweren Einkaufs als eine väterliche erzieherische Aufgabe (die Nichtgefährdung der Mutter UND des Kindes), wird vom stellvertretenden Erzieher das väterliche Prinzip angenommen und der Einkauf getragen.

Im Normalfall ist während der Schwangerschaft die Vereinbarung der Qualitäten biologischer, juristischer und sozialer Eltern im Falle der Mutter gegeben.

 Barja (bharya’e) … Sanskrit-Wort für Ehefrau: „Die Tragende, die getragen wird.“

 

Die Bedingungen der Erziehung

Die drei Stufen der Erziehung

erzogen haben

Großeltern

erziehen

Eltern

                        Aktive Erziehung

erzogen werden

Kind

Passive Erziehung

Auf der ersten Stufe der Erziehung wird das Kind erzogen. In Bezug auf das Erziehen ist das Kind passiv, denn es erzieht nicht selber. Aktiv kann es nur in Bezug auf das Erwachsen sein.

Am Übergang vom Erzogen-/ Erwachsenwerden am Ende der ersten Stufe zum Erzogen-/ Erwachsensein auf der zweiten Stufe findet häufig eine intensive Auseinandersetzung mit den Erfahrungen, die in der passiven Erziehung gemacht wurden, statt. Diese Auseinandersetzung wird dadurch provoziert, dass in der Phase der aktiven Erziehung als erzogene und erwachsene Eltern das Erziehen erst erlernt werden kann, Fehler gemacht und korrigiert werden müssen. Oft wird das eigene Erziehen mit dem der eigenen Eltern verglichen und an deren praktischer Lösung der Erziehungsaufgabe orientiert. Dass das praktische Erziehen erst auf der zweiten Stufe erlernt werden kann, schließt eine vorherige theoretische Auseinandersetzung mit Erziehung und praktischen Möglichkeiten des Erziehens nicht aus. Die zweite Stufe führt zur Vollendung der eigenen Erziehung. Hierauf gehen wir mit dem Thema der „Arbeit des Erziehenden an sich selbst“ noch ein.

Die zweite Stufe endet wiederum mit dem Erzogen-/ Erwachsensein des zu erziehenden Kindes.

Die dritte Stufe der Erziehung bedeutet für die Eltern, deren Kind erzogen und erwachsen ist, dass für sie keine Notwendigkeit mehr besteht, aktiv zu erziehen. In der Logik der Erziehung als nötiger Bestandteil der Entwicklung der Menschen werden aus den Eltern auf der dritten Stufe der Erziehung Großeltern. Aus dieser Position heraus und als diejenigen, die das Erziehen bereits aktiv erfahren und gelernt haben, können sie stellvertretend erziehen.

In der Theorie der Erziehung haben die erste und die zweite Stufe der Erziehung jeweils einen eindeutigen Abschluss. Beide enden mit dem Erwachsensein des Kindes. Am Ende der ersten Stufe besteht für das Kind keine Notwendigkeit mehr, erzogen zu werden. Am Ende der zweiten Stufe besteht für die Eltern keine Notwendigkeit mehr, zu erziehen. Hier liegt das entscheidende Kriterium dafür, dass die dritte Stufe theoretisch nicht mehr als Phase der aktiven Erziehung betrachtet werden kann. In der Praxis bestehen allerdings abweichende Modelle (wie wir im Seminar gehört haben sogar als kulturell-traditionelles Phänomen, z. B. in afrikanischen Regionen). Auch an den Übergängen der Stufen gibt es in der Praxis zum Teil Verwischungen, die theoretisch gesehen wiederum bedeutsame Konsequenzen für die Erziehungspraxis haben können. Darauf werden wir eingehen, wenn wir die Ziele der Erziehung und die Aufgaben der Erziehenden besprechen.

Beziehung als Bedingung von Erziehung

Erziehung hat bestimmte theoretische Ziele, die durch besondere Mittel erreicht werden. Darauf werden wir später noch eingehen. Praktisch bedeutet dies, dass sich der Erziehende in einem Handlungszusammenhang mit dem zu erziehenden Kind befindet, in dem er ganz bestimmte Ziele verfolgt. Das Kind wiederum, das erwachsen werden soll, gewinnt mit fortschreitendem Erzogensein eigene Handlungsmöglichkeiten. Es entwickelt sich körperlich, geistig und seelisch. So steht es dem Erziehenden als Person entgegen. Der Erwachsene kann nicht erziehen, ohne dass das Kind dabei erwächst. Das erfordert eine Beziehungsgrundlage zwischen Erziehendem und Kind, die es ermöglicht, in Kontakt zu treten, erzieherisch zu vermitteln. Beziehung zu führen bedeutet, das Gleichgewicht zwischen den Personen zu halten, Bedürfnisse, Schwächen und Stärken beider Seiten zu erkennen und entsprechend auszugleichen. Da die Kräfteverhältnisse am Beginn einer Erziehungsgeschichte sehr ungleich sind, liegt die Verantwortung für die Einschätzung dieses Verhältnisses und einem angemessenen Erziehungshandeln komplett bei dem Erziehenden, bei Vater und Mutter.

Bindung als erzieherische Aufgabe

Um eine funktionierende Beziehung aufbauen zu können, bedarf es einer stabilen Bindung zwischen Erziehendem und Kind. In erster Linie wird diese Bindung von der Mutter bereits im Bauch und später nach der Geburt gewährleistet. Sie ist daher notwendig, da das Kind nicht unabhängig überleben kann und nach psychologischer Erkenntnis auf körperliche, geistige und seelische Fürsorge angewiesen ist. Die Bindung kann als prinzipielle Aufgabe der Mutter betrachtet werden. Sie steht der väterlichen Aufgabe der Lösung gegenüber. Mehr dazu wird später im Seminar vorgetragen.

Stellvertretende Erziehung

Die Vater-Mutter-Kind-Einheit steht für die prinzipielle personale Grundlage der Erziehung. Aus ihr leiten sich Bedingungen für die Erziehung ab wie die Beziehung zwischen Vater, Mutter und Kind sowie die Erkenntnis, dass zwei bereits erzogene Erwachsene aktiv (zunächst) ein gemeinsames Kind erziehen. Zudem beinhaltet die Darstellung des Dreiecks die Unterscheidung von Mutter und Vater und deren spezifische Aufgaben, die später noch thematisiert werden.

Wird in der Praxis das Kind weiteren Personen zur Erziehung anvertraut (beispielsweise den Großeltern, den ErzieherInnen im Kindergarten, Freunden etc.), besteht hier erzieherisch die Notwendigkeit, die Bedingungen von Erziehung zu bedenken. Stellvertretende Erzieher müssen eine Beziehung zum Kind haben. Sie übernehmen zumindest in Teilen die Aufgabe von Mutter ODER Vater. Zudem bringen sie ihre eigene Erziehungserfahrung ( aus der passiven Erziehungsstufe) in den Erziehungsprozess des Kindes mit.

 

Die Ziele der Erziehung

Das generelle Ziel von Erziehung ist das erwachsen gewordene Kind. Die Festlegung des Erwachsenseins ist gesellschaftlich, kulturell, historisch und individuell beeinflussbar. Generell wird mit dem Erwachsensein die (Über-) Lebensfähigkeit innerhalb der Gesellschaft verbunden. Kriterien, die sich aus der Theorie der Erziehung ergeben, sind zum einen der Übergang des Kindes von der ersten Stufe zur zweiten Stufe der Erziehung. Zum anderen wird dieser Übergang nicht nur davon abhängig eingeordnet, dass das erwachsene Kind selbst Elternteil wird, sondern vor allem davon, dass es von den Eltern gelöst und unabhängig ist.

Der Grad des Erwachsenseins ist gegenläufig zur Notwendigkeit des Erziehens. Am Anfang der Erziehungsphase ist die Notwendigkeit zu erziehen besonders hoch. Am Ende ist sie kaum noch vorhanden.

Die konkreten Ziele, die den Erziehungsalltag bestimmen, werden individuell und bewusst festgelegt. Dabei steht über allem die Entscheidung darüber, ob ein Ziel dazu dient, dass das zu erziehende Kind erwachsen wird. Zur Bestimmung der Ziele und für die Entscheidung über ihre Angemessenheit sind folgende Fragen hilfreich:

  • Was will ich und warum will ich das?
  • Wer bin ich im Verhältnis zum Kind gesehen?
  • Welches Kind will ich erziehen?
  • Welche Situation besteht?
  • Welches Thema gehört zu dem Ziel?
  • Welchen Hintergrund zu diesem Thema bringe ich durch meine Erfahrung aus den unterschiedlichen Erziehungsstufen mit?

Um das festgelegte Ziel zu erreichen, stehen uns bestimmte Mittel zur Verfügung, die gesondert besprochen werden. Zur Beurteilung, ob man das individuelle Ziel des Erziehens erreicht hat, bestehen drei übergeordnete Ziele, die als Kriterien verwendet werden können. Diese sind:

  • Das Kind soll körperlich gesund sein.
  • Das Kind soll geistig klar sein.
  • Das Kind soll seelisch ruhig und ausgeglichen sein.

Es ist in der Erziehungspraxis nicht auszuschließen, dass man Fehler macht, zum Beispiel die falschen Mittel gewählt hat. Dies wird theoretisch immer dann sichtbar, wenn das Kind in Bezug auf ein persönliches Erziehungsziel (Thema) nicht die drei Kriterien erfüllt. Zu sehen, dass ein Kind krank, verwirrt oder unruhig (zum Beispiel außerordentlich aggressiv oder traurig) ist, deutet also daraufhin, dass es mit der Art und Weise des Erziehens nicht klar kommt und zur Unterstützung seiner Wachstumskraft in Bezug auf das gesteckte Ziel etwas braucht, das vom Erziehenden noch nicht erkannt wurde. Zur Reflexion einer solchen Situation können wiederum die oben genannten Fragen dienen.

Erziehen findet nur dann statt, wenn es um die konkrete Erreichung eines Zieles geht. Das bedeutet, dass man nicht ständig erzieht. Man begleitet sein Kind beispielsweise auch „einfach nur“, hilft oder pflegt die Beziehung.

 

Die Mittel der Erziehung

Das Erziehen beinhaltet drei prinzipielle Tätigkeiten.

 nähren   führen    lassen

Das Nähren beinhaltet alle Dinge, die dem Kind zur Befriedigung seiner Bedürfnisse gegeben werden. Dazu zählen beispielsweise Nahrungsmittel sowie geistige Nahrung in Form von Erklärungen und Bildung, Zeit und bestimmte Empfindungsgrundlagen wie Schutz und Vertrauen.

Das Führen meint alles, was dem Kind den Weg vorgibt und aufzeigt. Es erstreckt sich vom anfänglichen Tragen und Führen an der Hand über sprachliches Erklären und Ermöglichen verschiedener Erfahrungen und Denkbewegungen hin zum Vorangehen, Vormachen, Vorleben.

Das Lassen ist darauf bezogen, die Wachstumskraft des Kindes wirksam werden und sein zu lassen, ohne permanent einzugreifen. Dazu gehört, dem Kind seine eigene Persönlichkeit, die eigene (Entwicklungs-) Zeit, den Raum zu zugestehen und die dem Kind eigenen Möglichkeiten zum erwachsen anzuerkennen. Das Lassen erfordert in vielen Punkten vor allem Geduld auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel. Es ist eine andere Qualität des Lassens, wenn ein Erziehungsziel bereits erreicht wurde und das Kind aufgrund des Könnens gelassen wird, um seine Selbstständigkeit zu wahren.

Das passende Maß zur rechten Zeit

Anhand der Ziele, die gerade verfolgt werden, und der drei übergeordneten Ziele (körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und seelische Ruhe des Kindes) wird über die Kombination dieser Tätigkeiten entschieden. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass nicht zu jeder Zeit die gleiche Mischung der Mittel richtig ist. Die Entscheidung über das passende Maß zur rechten Zeit wird immer davon bestimmt, was durch die Beantwortung der Fragen zum Erziehungsziel in Erfahrung gebracht wird. Das Beziehungsdreieck von Vater, Mutter und Kind (inklusive der individuellen Erziehungsgeschichten) spielt hier häufig genauso eine große Rolle wie der individuelle Stand des Kindes und alle weiteren praktischen Umstände wie Zeit, Raum, Anwesenheit bestimmter Personen etc..

 

Die Aufgaben der Erziehenden (Vater und Mutter)

Die Aufgaben der Eltern in der Erziehung sind unabhängig von Geschlechterthematiken und Genderdiskussion. Es bedarf eines Unterschieds zwischen den Geschlechtern. Einige Aufgaben sind eher väterlich, andere eher mütterlicher Natur. Diese Aufgaben sind Prinzipien, um ein Kind erwachsen werden zu lassen.

Die Aufgaben der Mutter

Die Aufgaben der Mutter beginnen bei der Empfängnis. Das Empfangen ist ein mütterliches Prinzip. Es bedeutet Bereitschaft. Ein Ei wird reif, geht auf den Weg und muss bereit sein etwas aufzunehmen. Wenn es nicht bereit ist, wird es kein Kind geben. Die Bereitschaft, das Kind anzunehmen, wie es ist, muss vorhanden sein. Die nächsten Prinzipien sind Raum und Ort und das Prinzip Innen. Im Mutterleib ist der erste Ort, wo Erziehung stattfindet. Es bedeutet nach innen zu fühlen und zu horchen. Es gehört z.B. auch das Zurechtmachen des Wohnraums dazu. Dies ist eher weiblich. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass man diese natürlichen Prinzipien nicht bewertet, sonst kommt so eine Meinung wie ‚Frauen an den Herd‘ zustande.

Es geht darum, bei welcher erzieherisch tätigen Person der Großteil des Erziehungsprinzips liegt. Das Nähren liegt mehr bei der Mutter. Dies ist besonders erkennbar in den Phasen der Schwangerschaft und der potentiell anschließenden Stillzeit.

Ein weiteres Prinzip ist die Kontinuität. Diese ist bereits während der Schwangerschaft gegeben. Die größtmögliche Veränderung tritt dann bei der Geburt ein, aber die Mutter bleibt für das Kind erhalten, nährt es weiter. Hinzu kommt das Prinzip Gewissheit. Jede Mutter weiß, dass das ihr Kind ist. Diese beiden Prinzipien halten am Längsten. Die Mütter sind die Letzten, die ein Kind fallen lassen, falls etwas schief laufen sollte.

Die Aufgaben des Vaters

Die Aufgaben des Vaters beginnen bei der Zeugung. Zeugen bedeutet, bereit sein, wollen, in Aktion gehen. Die Aufgaben sind unterschiedlich und der Vater steht dabei sozusagen in zweiter Reihe, denn ohne die Bereitschaft der Frau zu empfangen, ist die Aktion des Mannes erfolglos. Es kommt das Prinzip der Sorge hinzu. Die Sorge gilt zu Beginn in erster Linie der Mutter, ist unterstützend. Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Kind gut. Es gilt sich zu überlegen, was mein Beitrag als Mutter oder Vater ist, damit das Kind ins Wachsen und Werden kommt.

Ein weiteres Prinzip ist die Hinnahme. Es bedeutet das Kind zu nehmen, z.B. mitnehmen in die Welt hinaus. Er muss es auch führen, nimmt es los (weg) von der Mutter. Der Vater ist außen. Das ist allein schon der Fall, wenn man vom Kind im Mutterleib aus betrachtet. Spontaneität ist ein weiteres Prinzip. Mütter denken für das Kind mit. Sie sind nicht so sehr in der Lage, Risiken, Gefahren, Wagnisse einzugehen. Der Vater kann dies eher, um dafür Sorge zu tragen, dass das Kind nach draußen kann. Die Kombination der Prinzipien Hinnahme und Hoffnung führen dazu, dass der Vater das Kind annimmt. ‚Das ist mein Kind‘. Dieses Wissen, das bei der Mutter Gewissheit ist, hat der Vater durch die Beziehung und sein Vertrauen. Z.B. sucht man in den Kindern (beim Aussehen) zuerst den Vater.

Die Prinzipien, die Vater und Mutter zugeordnet werden, brauchen wir, um in der Gesellschaft zu sein. Noch einmal: Aufnehmen (Empfangen) und Bewegen geht nicht gleichzeitig. Annette verweist hier auf die Ei- und die Samenzelle. Aus dem Vorgang des Zeugens, der Schwangerschaft und der Geburt wird dies bereits deutlich. Die Unterschiede sind gleich klar.

Bindung und Lösung als besondere, kombinierte Aufgabe der Eltern

Die Bindung läuft eher über die Mutter. Es ist auch geistige Bindung gemeint. Der Vater steht eher für Lösung. Bindung und Lösung sind Grundlagen der Beziehung. Wenn die Bindung des Kindes nicht fundiert aufgebaut werden konnte, kann das Kind nicht gelöst werden. Dies hat Konsequenzen für die Möglichkeit des Kindes, unabhängig von den Eltern erwachsen zu sein. Ein Mangel an Bindung und Lösung wirkt sich ebenfalls auf die Fähigkeit zur Beziehungsaufnahme und –führung aus (siehe psychologische Theorien).

Laut Goethe brauchen Kinder Wurzeln (Bindung) und Flügel (Lösung).

Beides ist gleichwertig zu denken.

Jeder, der Kinder erzieht, muss als Aufgabe etwas von Mutter oder Vater annehmen und begreifen. Einem Erziehenden ist nicht beides gleichzeitig möglich.

 

Das Wort „erziehen“ nach Prof. Dr. Werner Lauff

(Ausschnitt aus dem Seminarpapier „Ernährung und Erziehung als Theoriezusammenhang“ von Prof. Dr. Werner Lauff an der Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft, 2006)

„Ziehen stammt wie das lat. ducere von der idg. Stammwurzel ‚deuk’ ab. Mit diesem Laut wurde eine Bewegung bezeichnet, die einen Gegenstand gegen eine bestimmte Reibungskraft auf eine Kraftquelle hinbewegte. Im Gegensatz z.B. zu ‚drücken’, das eine Bewegung bezeichnet von der Kraftquelle weg. Die Vorsilbe ‚er’, ursprünglich ‚udz’ hat im Kern die Bedeutung ‚heraus’, ‚empor’, also vertikale Bewegung gegen die Schwerkraft nach oben (Ziehbrunnen), auffindbar ist jedoch auch die Bedeutung ‚fort’, also eine Bewegung gegen die horizontale Reibungskraft von dort nach hier (Das Pferd erzog den Pflug). Erziehen ist also Name für eine physikalische Bewegung in einem genau bestimmten raum- zeitlichen Koordinatensystem. Die Zeitliche Bedeutung der Vorsilbe ‚er’ ist: bis zur Vollendung. Erziehen bedeutet demnach eine vertikale und horizontale Bewegung zu einer Kraftquelle hin bis zur Vollendung. Überträgt man diese figürliche Vorstellung auf das Geschehen zwischen Gärtner und Pflanze, so wird die Pflanze nicht nach oben gezogen, sondern von unten genährt, damit sie wächst, und es wird dafür gesorgt, dass sie sich an einem Ort befindet, wo sie Licht, d.h. ihre notwendige Wachstumsenergie bekommt. Das im Wort ‚erziehen’ gemeinte Geschehen zwischen Eltern und Kind mag also bedeuten, die Eltern nähren das Kind, damit es wächst, und die Eltern führen das Kind dahin, wo es im guten und notwendigen Sinne die Lernanregungen erhält, die es für sein Erwachsenwerden braucht. Ist es er-wachsen, d.h. herausgewachsen, dann vermag es alle diese Bewegung in die eigene Verantwortung zu übernehmen, was es insbesondere bei seinen Wachstumsbewegungen im Mutterleib und in der frühen Kindheit noch nicht konnte. Hier sind die Eltern die Stellvertreter der Kinder.

Ein wundervoller zweiter Bedeutungsaspekt, der bisher in Zusammenhang mit dem Wort ‚erziehen’ beständig übersehen wurde, kommt hinzu: Erziehen gibt es nicht nur in der transitiven Form (ich ziehe Dich), sondern auch in einer intransitiven grammatischen Variante (die Wolken ziehen dahin). Diese Version des Wortes fokussiert sich nicht auf die Kraft, die eine Bewegung bewirkt, sondern betont die Kraft, die von einer Bewegung ausgeht. Die majestätische Bewegung der Wolken zieht die Aufmerksamkeit der ihnen folgenden Augen auf sich. Oder im Falle der Erziehung: Der ‚Zauber’ des Wachstums der Kleinen zieht die Augen der Großen. Wie bei den majestätisch dahin ziehenden Wolken kann gar mancher empfängliche Betrachter seine Augen nicht von dem Charme der aufwachsenden Kinder wenden. Die Eltern ziehen so gesehen nicht nur das Kind, sondern das Kind zieht auch die Eltern.“

Inhalte des Seminars
Es geht in unserem Seminar darum, zunächst zu durchschauen, warum es die Notwendigkeit gibt zu erziehen, was die Voraussetzungen sind und die Grundlagen. Dabei wird deutlich, dass wir alle die Antworten kennen, diese aber selten in den Zusammenhang von Erziehung stellen. Dazu gehören auch Tatsachen wie die, dass ohne Geburten, also ohne neue Kinderleben keine Erziehung gebraucht wird. „Was sind allgemeine Ziele von Erziehung, was ist der Sinn von Erziehung und wie können wir erzieherisch handeln?“ Hier geht es um Fragen, die in erster Linie unmittelbar das Kind betreffen und nicht die Gesellschaft. Das Kind soll er-wachsen, dabei soll es gesund bleiben, geistig klar und seelisch ruhig sein. Hierin bestehen grundsätzliche Ziele jeder Erziehungshandlung. „Welche Tätigkeiten gehören zu Erziehung und welche nicht?“ Wir wollen verdeutlichen, dass die erzieherische Entscheidung nicht zwischen führen (wie es häufig dem autoritativen Erziehungsstil zugeordnet wird) und lassen (das meist dem Stil des „Laissez-faire“ zugeschrieben wird) getroffen werden kann – als Erziehungsstile, die konsequent durchgezogen werden – sondern dass beide Tätigkeiten zusammen mit dem Nähren in einem Gleichgewicht gehalten werden müssen, über das immer wieder neu geurteilt wird.
Es geht also um Fragen, die für jede individuelle Erziehungsgeschichte grundsätzlich beantwortet werden können und müssen, damit dann die Beteiligten dieser Erziehungsgeschichte für sich herausfinden können, wie sie die Erziehungspraxis gestalten können, wollen und müssen.

Seminarerweiterndes Angebot
Wir möchten Eltern, die unser Seminar besuchen, anbieten, im Anschluss an dasselbe eine individuelle Beratung bei uns in Anspruch zu nehmen. Die Beratungstermine sind grundsätzlich dazu gedacht, die theoretischen Erkenntnisse aus den Sitzungen mit der eigenen Praxis zu verbinden. Damit ist zunächst gemeint, bestehende Probleme in den Zusammenhang der Theorie einzuordnen. Fragen zu den Modalitäten können am Ende des Seminars geklärt werden.

Wissenschaftliche Auswertung des Seminars
Das Seminar wird in dieser Form zum ersten Mal durchgeführt. Es wird daher nicht nur in der Vorbereitung wissenschaftlich betreut sondern soll auch professionell ausgewertet werden. Es geht uns dabei darum, ein umfassendes Feedback von den teilnehmenden Eltern zu erhalten. Dieses werden wir zunächst in einem einleitenden Fragebogen vorbereiten. Hier möchten wir die Beweggründe für den Besuch des Seminars (durch die persönliche Erziehungsgeschichte) und die Erwartungen an uns und die Inhalte aufnehmen. Während der Sitzungen werden wir Protokolle führen, die besondere inhaltliche Schwierigkeiten und eventuelle ungeplante Gesprächsbedarfe festhalten sollen. Zum Abschluss des Seminars sind ein Feedbackfragebogen und eine persönliche Befragung (mit einem zeitlichen Abstand von ca. 1-2 Monaten zur letzten Seminarsitzung) geplant, in denen die Eltern den Kurs in Bezug zu den Erwartungen, zur Durchführung und zur Verständlichkeit sowie zur persönlichen praktischen Relevanz der Inhalte beurteilen sollen. Eine kontinuierliche Teilnahme erhöht die Qualität der Auswertung und wird daher von uns erbeten. Die Auswertung wird im Rahmen einer Diplomarbeit vorgenommen und selbstverständlich anonymisiert beschrieben.

Bezug zu anderen Elternkursen, Ratgebern und Hilfen zur Erziehung
Wir sehen unser Seminar nicht als ein Angebot von vielen und daher auch nicht als Konkurrenz zu anderen erziehungsunterstützenden Programmen. Viele von ihnen haben sehr sinnvolle Konzepte und Ansätze und profitieren häufig vor allem von psychologischen und kommunikationswissenschaftlichen Erkenntnissen. Vielmehr wollen wir mit unserem erziehungswissenschaftlichen Seminar einen Rahmen schaffen, der den Zusammenhang von Erziehung verdeutlicht und somit ermöglicht, bestehende Programme in die unterschiedlichen prinzipiellen Themenbereiche von Erziehung einzuordnen. Eltern soll ein Grundwissen vermittelt werden, das zunächst eine Reflexion und ein Durchdenken des eigenen Erziehungshandelns  anregt und auf der Grundlage der Einschätzung der eigenen Situation Entscheidungen vereinfacht, auch für den eventuellen Besuch weiterer konkret fokussierter und praxisbezogener Programme.

Ablauf des Seminars
Das Seminar findet an folgenden 6 Tagen im Verein Zeitleben e.V. (www.zeitleben-ev.de) in der Eimsbütteler Chaussee 22 statt:
„Theorie und Praxis“
am Dienstag, 27. Oktober 2009 von 20-22 Uhr
„Voraussetzungen und Grundlagen von Erziehung“
am Samstag, 31. Oktober 2009 von 10-14 Uhr
„Ziele und Mittel der Erziehung“
am Samstag, 7. November 2009 von 10-14 Uhr
„Die Aufgaben der Erziehenden“
am Dienstag, 10. November 2009 von 20-22 Uhr
„Die Arbeit des Erziehenden an sich selbst“
am Dienstag, 17. November 2009 von 20-22 Uhr
„Resümee“
am Dienstag, 24. November 2009 von 20-22 Uhr

Jeder Termin umfasst einen kurzen theoretischen Einstieg, an den ein Gespräch zu auftretenden Fragen und dem Zuordnen der Inhalte zum vorangegangenen Programm anschließen soll. Je nach Seminarstruktur werden wir dieses Gespräch in Kleingruppen aufteilen, da unsere Erfahrung zeigt, dass in solchen eine intensivere Klärung der aufgenommenen Inhalte möglich ist.
Der Teilnehmerbeitrag beträgt 35 € pro Person und 50 € pro Elternpaar.